Spielen als pädagogische Methode - Fantasie, Motorik & Kommunikation

Spielen als pädagogische Methode – Fantasie, Motorik & Kommunikation

Das Wort Pädagogik hat seinen Ursprung im alten Griechenland. Hier bezeichnete „paedagogus“ zuerst einen Sklaven oder Diener, der „einen Knaben führt“, also zur Schule bringt. Später ging der Begriff auf eine Person über, die mit der Erziehung eines Kindes betraut ist. Auch das konnte ein Sklave sein, der für die Ausbildung eines Kindes verantwortlich war. Später wurde der Begriff auf Lehrer und Aufseher übertragen. Doch vor allem sind es die Eltern, die das Kind von klein auf begleiten, fördern und erziehen, die gewisse Grundgedanken der Pädagogik zumindest einmal gehört haben sollten.

Pädagogik versus Erziehungswissenschaft

Die Pädagogik wird meist mit der Erziehungswissenschaft in einen Topf geworfen. Tatsächlich herrscht innerhalb der Disziplinen keine Einigkeit darüber, wo die Grenzen verlaufen.

Meist wird die naheliegende Auffassung vertreten, dass die Erziehungswissenschaft den theoretischen Bereich abdeckt, während die Pädagogik handlungsrelevante Themen behandelt. Philosophie, Theologie, Psychologie und Soziologie sind Fachrichtungen aus denen die Pädagogik ursprünglich ihre Weisheiten bezog. Noch heute reichen sie bis dort hinein.

Die Pädagogische Anthropologie vertritt die Auffassung, dass der Mensch nicht von außen verändert werden kann. Er kann nur angeleitet und angeregt werden, sich selbst zu verändern. Die Eltern oder Erzieher können und sollen die Voraussetzungen dafür herstellen, dass sich ihr Schützling zum Besten seines ICHs entwickeln kann. Dazu zählen verschiedene Lehr- und Lernmaterialien. Besonders in ganz jungen Jahren sollten diese spielerisch angeboten werden.

Dazu zählt aber auch, das eigene Verhalten im Umgang mit dem zu Erziehenden gegebenenfalls zu verändern. Maßnahmen, die den Willen des Kindes brechen, sind im Gegensatz dazu abzulehnen!

Das freie Spiel als Kind

Das freie Spiel ist für Kinder sehr wichtig. Sie können ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Sie bauen sich alleine oder mit Altersgenossen ihre eigenen Welten in der Puppenecke oder mit Bausteinen.

In der Interaktion mit Gleichaltrigen lernen sie viel darüber, welche Wirkung ihre Handlungen und Worte bei anderen haben. Natürlich muss bei groben Missverständnissen von erzieherischer Seite eingegriffen werden. Auch in handgreifliche Streitereien sollte das freie Spiel nicht ausarten. Die Erzieher sollten deshalb von der Ferne immer ein wachsames Auge auf die Spielsituation haben.

Die Kinder unbeaufsichtigt sich selbst im freien Spiel zu überlassen, ist nicht anzuraten. Es führt spätestens dann zu größeren Problemen, wenn eine Streitschlichtung von außen nötig ist.

Spielen als pädagogische Methode

Wenn Eltern, Erzieher und Betreuer ein bestimmtes Spiel einsetzen, verfolgen sie meist auch ein bestimmtes Ziel damit. Meist sehen sie, dass den Kindern eine motorische oder soziale Fähigkeit fehlt, die sie fördern möchten. Das Spiel kann auch dazu dienen, gewisse Eigenschaften des Kindes in vernünftige Bahnen zu lenken.

Je nach Art des Spieles werden motorische Fähigkeiten und soziale Verhaltensweisen eingeübt oder Neues ausprobiert. Die Kinder erleben Bestätigung, wenn ihnen etwas gut gelingt, und freuen sich mit Mitspielenden. Sie werden ermuntert, nicht aufzugeben, wenn etwas nicht gelingt – und sie lernen, wie man andere unterstützt. Die Frustrationstoleranz wird erhöht, was für das spätere Leben von großer Bedeutung ist.

  • Bewegungsspiele helfen den Kindern dabei, Aggressionen abzubauen. Die Bewegung – bestenfalls an der frischen Luft – tut dem ganzen Körper gut, macht den Kopf frei und sorgt in weiterer Folge abends für einen erholsamen Schlaf.
  • Denkspiele fördern die kognitiven Fähigkeiten. Da müssen Bildkarten gemerkt und wieder aufgefunden werden, es muss vorausgedacht und geplant werden, Strategien werden entwickelt oder räumliches Vorstellungsvermögen trainiert .
  • Welche Fähigkeiten das Kind noch üben sollte und welche Spiele das Kind am besten dabei fördern, kann man anhand der folgenden Bereiche leicht herausfinden:

Grobmotorik und Feinmotorik

Die Fähigkeit des Kindes, zu Greifen und sich zu bewegen, wird bereits im Mutterleib trainiert. Kaum auf der Welt, greift es nach Brust oder Flasche und zieht an Opas Bart.

Strampeln, krabbeln und Robben kräftigt die Muskeln und fördert den Spaß an der Bewegung, besonders, wenn es durch die Anwesenheit und das „Mitspielen“ von anderen Kindern oder Erwachsenen immer wieder Neues zu Entdecken gibt. Toben und Verstecken sind tolle Spiele für Kleinkinder, Klettern und rutschen machen Spaß und fördern die Geschicklichkeit der Kleinen. Wie hoch sie klettern, wie weit sie springen und wie schnell sie rutschen liegt in ihrer Hand. Langsam wagen sie mehr und werden selbstsicherer.

Das Gleichgewicht wird ebenfalls trainiert. Als Aufsichtsperson sollte man nicht zu ängstlich sein und den Kindern etwas zutrauen, aber trotzdem immer gut achtgeben.

Die Hand- Fingerkoordination, das Greifen mit den Zehen, die Gesichts- Augen- und Mundmotorik zählen zu den Bewegungsabläufen der Feinmotorik. Beginnend mit dem Matschen im Sand, mit Wasserspielen und dem Fühlen und Erfahren in verschiedenen Wühlkisten mit verschiedenen Materialien wird das Kind langsam hingeführt zum Fädeln von Perlen, dem Halten des Schreibstiftes und verschiedenen Handarbeits- und Bastelfertigkeiten.

Kommunikation lernen – seid ihr alle da?

Die Interaktion mit anderen Kindern sowie mit Erwachsenen ist bedeutend für jeden Menschen und beginnt ebenfalls gleich nach der Geburt. In der Kommunikation kommen Charakterzüge des einzelnen zutage, sie werden geprägt und geformt.

Rollenspiele wie das beliebte Vater-Mutter-Kind -Spiel eignen sich dafür gut. Auch beim Spiel mit Fingerpuppen oder Kasperltheater können die Kinder ausprobieren, wie der andere Spieler in der Rolle seiner Figur reagiert. Das Auswendiglernen eines kleinen Textes im Rahmen eines kleinen Theaterstücks ist dann noch eine weitere Herausforderung. Die Kinder sind aber meist unglaublich stolz, wenn sie eine Rolle spielen dürfen. Helfen kann man dem Kind, wenn man den Inhalt des Stücks und vor allem den Inhalt seiner Rolle gut durch bespricht.

Fantasiewelten, Rollenspiele und Bastelkünstler

Diese beiden Aspekte gehen Hand in Hand: Beim Spielen im Spielhaus aus Holz wird beispielsweise eine Höhle unter einer Wurzel zur Wichtelwerkstatt, aus Tannenzapfen entsteht ein Zwergenwald und viele kleine Steine werden aufgetürmt zu einem Berg.

Vielleicht wird auch richtig gemauert und es entstehen Bauten aus Steinen und Lehm. Fantasiegestalten werden in Rollenspielen aus Wurzeln, Ästchen und Kastanien gebastelt. Indoor lassen sich ebenfalls viele kreative Einfälle verwirklichen. Ob mit Bausteinen tolle Gebäude erschaffen oder aus Gewürzen duftende Blumen oder Sterne gebastelt werden – es gibt für jeden Lebensbereich unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. Und anschließend wird natürlich auch damit gespielt und es entstehen in dieser neuen Welt viele kleine Rollenspiele.

Kommunikative Kompetenz

Für das Spiel miteinander – egal ob Karten- oder Brettspiel, Theaterstück oder sportlicher Wettbewerb – wird Kommunikation benötigt.

Man muss sich strategisch absprechen, man bittet um etwas, fragt um eine Karte oder gibt seiner Freude oder auch seiner Enttäuschung über Sieg oder Niederlage Ausdruck. Auch zuhören will gelernt sein. Und auch das wird beim gemeinsamen Spiel geübt. Auf diese Weise entwickelt das Kind kommunikative Kompetenz.

Warum?

Es ist die häufigste Frage, die ein Kind in seinen jungen Jahren stellt: Warum? Kinder wollen Antworten auf ihre vielen Fragen. Sie wollen entdecken und erforschen. Natürlich kann es sein, dass die Eltern einmal mit ihrem Latein am Ende sind und keine Antworten wissen. Dann ist es Zeit, sich gemeinsam auf die Suche nach den Antworten zu begeben. Aber auch ein einfaches: „Das weiß ich nicht“, müssen die Kinder ab und zu verkraften können. Be-greifen ist natürlich ein wesentlicher Weg des Erforschens. Beobachten und ausprobieren sind weitere wichtige Faktoren.

Erst dies, dann das

Einen Plan für das Herangehen an eine Aufgabe zu entwerfen will gelernt sein. Manche Menschen stehen noch als Erwachsene ratlos vor einem Problem und wissen nicht, wie und womit sie beginnen sollen. In verschiedenen Strategiespielen können bereits Kinder diese wichtige Fähigkeit lernen.

Ich helfe dir!

Soziale Kompetenz setzt sich zusammen aus Durchsetzungsfähigkeit und der Fähigkeit, sich anzupassen. Die Durchsetzungsfähigkeit kommt im psychotherapeutischen Zusammenhang vor, wenn es gilt, soziale Ängste zu bekämpfen. Aber auch die Organisationspsychologie kennt den Begriff: Eine Meinung zu haben, artikulieren zu können und in weiterer Folge auch konsequent zu vertreten ist in jeder Gesellschaft wichtig.

Die Anpassungsfähigkeit hilft dabei, das Durchsetzen in einer Art und Weise zu praktizieren, dass die anderen Gruppenmitglieder nicht überfahren werden. Es ist immer besser, die Menschen dort gedanklich abzuholen wo sie sind, um sie dann auf eine Gedankenreise „mitzunehmen“. Soziale Kompetenz ermöglicht dem Handelnden, Reaktionen der Mitmenschen wahrzunehmen. So kann er auf ihre Reaktionen – rationale Argumente ebenso wie emotionale Äußerungen – eingehen. Er ist also auf spontan wechselnde Gegebenheiten vorbereitet.

Bewegung – Hummeln im Po

Die wenigsten Kinder sitzen gerne lange Zeit ruhig. Ständig sind sie in Bewegung. Eltern verzweifeln oft daran, dass das Kind in der Volksschule nicht bei einer Sache bleiben kann und sich schnell ablenken lässt. Schnell wird dann die Diagnose ADHS gestellt.

Meist hat das Kind aber gar keine krankhafte Störung – es wurde nur manches falsch eingelernt. Die Eltern haben selbst oft den Grundstein dafür gelegt. Viel zu häufig fehlt die Zeit dafür, dass die Kinder selbst ihre Fähigkeiten ausprobieren können. Natürlich braucht das Kind selbst länger, sich Schuhe und Jacke anzuziehen. Weil die Eltern wieder mal in Eile sind, nehmen sie dem Kind die Tätigkeiten ab und ziehen es an.

Diese Ungeduld der Eltern überträgt sich auf das Kind. Ungeduldig beginnt es eine Sache, um sich bald wieder davon abzuwenden und die nächste Aktivität zu beginnen. Erfüllend ist so ein Verhalten nicht. Hat das Kind dann endlich Ruhe gefunden und spielt selbstvergessen, wird es womöglich abrupt herausgerissen: Es soll zum Mittagessen kommen oder wird vom Kindergarten abgeholt.

Das wirksamste Mittel, um dem Kind Geduld und Ausdauer beizubringen, ist, mit gutem Beispiel voranzugehen. Selbst für das Kind Geduld zu haben, mit Ausdauer und Aufmerksamkeit dem Kind zugewandt zu sein, das ist das Wichtigste, was man ihm mitgeben kann.

Spielspaß mit Lerneffekt

Will man Spiele mit einem bestimmten Ziel einsetzen, so muss man besonders darauf achten, dass das Spiel zur Gruppengröße und zur Gruppenphase passt. In der Kennenlernphase sind Wettkampfspiele weniger günstig.

Es gilt immer zu beachten, welche gruppendynamischen Veränderungen das jeweilige Spiel bewirken kann.
Wichtig ist natürlich auch, auf den Zeitrahmen und die benötigten Materialien zu achten.
Auch die Reihenfolge der geplanten Spiele sollte gut gewählt sein. Bei Spannungen in der Gruppe kann ein Kooperationsspiel zu Beginn hilfreich sein.

Manche Schwierigkeiten liegen aber nicht in der Hand des Spielleiters. Wenn es geheime Anführer in der Gruppe gibt, sollten diese zwar nicht bevorzugt, aber immer wieder eingebunden werden, da sie den Rest der Gruppe mitziehen.

Nie sollte ein Kind gezwungen werden, ein bestimmtes Spiel zu spielen. Sehr wohl liegt es aber im Aufgabenbereich des Erziehers, das Kind immer wieder zu ermuntern, ein sinnvolles Spiel zur Förderung seiner Fähigkeiten doch einmal zu probieren.

Der Gruppenleiter wird Spiele wählen, die die Fähigkeiten der Kinder fördern und gegebenenfalls Defizite ausgleichen können.

An erster Stelle soll beim Spielen aber immer der Spaß stehen.