Rollenspiele für Kinder: Wie Sie ihre Kinder fördern! Kommentar schreiben

„Du wärst die Mutter und ich das Baby“: Ein Blick in ein durchschnittliches deutsches Kinderzimmer, in dem sich Kinder im Vorschulalter aufhalten, zeigt deutlich, womit sich die Kleinen in diesem Alter vorwiegend beschäftigen. Spielhäuser, ein Kaufladen, eine Puppenküche, oder Kuscheltiere sind Kulissen und Requisiten, um Rollenspiele für Kinder attraktiv zu machen.

Diese Spielform ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Entwicklung, weil Kinder so soziale Verhaltensweisen einüben und verinnerlichen. Doch mit ersten Rollenspielen beschäftigen sich Kinder häufig auch ganz alleine ohne Spielpartner. Sie imitieren das beobachtete Verhalten ihrer Bezugspersonen und üben dadurch Bewegungsabläufe, Arbeitsschritte und Handlungsroutinen des alltäglichen Lebens ein.

Dadurch werden sie mit der Zeit immer selbstständiger und lernen, sich in der Welt der Erwachsenen zu orientieren. Sie entdecken und entfalten gleichzeitig aber auch ihre eigene Identität. Spielerisches Hineinversetzen in fremde Rollen: Das ist für ein Kind viel mehr als ein Zeitvertreib. Aus pädagogischer Sicht kommt dem Rollenspiel eine ebenso große Bedeutung zu wie dem Bau- und Konstruktionsspiel. Nicht umsonst gehört ein Kunststoff-Spielhaus mit Küche, Herd und Tisch in jedem Kindergarten zur Standardeinrichtung.

Wenn Kinder zu kreativen Regisseuren werden – die entwicklungs-psychologische Bedeutung des Rollenspiels

„Die spielen ja nur!“

Erwachsene unterschätzen oft die Bedeutung des kindlichen Rollenspiels. Dabei erfüllt es viele Funktionen im Hinblick auf die soziale und kognitive Entwicklung von Kindern. Zunächst imitieren Kinder Verhaltensweisen von Erwachsenen, die sie im Alltag beobachten, beispielsweise Tätigkeiten im Haushalt, das Einkaufen Gehen, den Besuch beim Arzt usw. Dadurch setzen sie sich spielerisch mit den Erfahrungen auseinander, die sie machen und üben alltägliche Routinen ein.

Einen Tisch zu decken, Geschirr zu waschen oder im Geschäft etwas zu kaufen will schließlich gelernt sein. Gleichzeitig setzen sich Kinder mit unterschiedlichen Rollen auseinander, die Erwachsene einnehmen. Sie realisieren schnell, welche Rollenanforderungen eine Mutter, ein Verkäufer oder ein Polizist erfüllen muss. So lernen Kinder auch, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Bedürfnisse zu erkennen.

Denn setzen voraus, dass Regeln vereinbart und eingehalten werden – andernfalls ist ein soziales Spiel nicht möglich. Die Kinder kommunizieren also miteinander und legen fest, wer welche Rolle einnimmt und wie das gemeinsame Spiel aufgebaut werden soll. Sie müssen Kompromisse eingehen und Lösungen finden, wenn Konflikte entstehen. Zudem bietet es die Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten.

Egal, ob ein Kind positive oder negative Erfahrungen gemacht hat – Spiele in unterschiedlichen Rollen und mit anderen Kindern oder auch alleine mit verschiedenen Gegenständen helfen ihm, diese zu verarbeiten und daraus lernen. Sie dienen also auch dazu, Emotionen zu regulieren und sich mit sozialen Regeln auseinanderzusetzen. So kann es durchaus sein, dass ein Kind die Rolle seiner eigenen Mutter einnimmt und dem Teddy energisch verbietet Schimpfworte zu gebrauchen. Auch Sicht von Entwicklungspsychologen und Pädagogen sind Spiel mit unterschiedlichen Rollen wichtig, damit Kinder gesund aufwachsen können.

Vom Symbol- zum Rollenspiel – die Entwicklung bis zum Schulalter

Schon Kleinkinder ahmen ihre Eltern nach, indem sie beispielsweise Gegenstände einen bestimmten Symbolcharakter verleihen. Dann wird ein Ast zum Kochlöffel, ein Eimer zum Teller und der Sand auf dem Spielplatz zum leckeren Mittagessen. In diesem Alter spielen Kinder aber noch nicht miteinander, sondern nebeneinander.

Eine Interaktion findet meist mit den Bezugspersonen statt, beispielsweise dann, wenn das Kind den Eltern signalisiert die „zubereitete Mahlzeit“ zu probieren. Trotzdem beobachten sich Kleinkinder gegenseitig beim Spiel und machen wichtige soziale Erfahrungen. Längst widerlegt ist daher die These, dass Kleinkinder noch keine Kontakte zu Gleichaltrigen brauchen. Zwar kommt es in diesem Alter häufig zu Streitigkeiten um Spielmaterialien oder zu Eifersuchtsszenen, dennoch profitieren auch Kinder unter drei Jahren davon, zusammen spielen zu können. Sie müssen soziales Miteinander schließlich erst erlernen.

Um komplexere Rollen realisieren zu können, sollten Kinder jedoch mehr als ein paar Worte sprechen. Daher ist diese Form des sozialen und interaktiven Spiels erst mit etwa drei Jahren möglich, wenn die meisten Kinder in der Lage sind Mehrwortsätze zu verbalisieren. Bei Kindern im Alter zwischen vier und acht Jahren sind Spiele mit Rollen besonders intensiv und kreativ, sie vertiefen sich dabei oft so sehr in ihr Tun, dass sie die Realität komplett ausblenden.

Diese Altersgruppe hat bereits gelernt, sich im Spiel auf Regeln einzulassen und profitiert vom Ideenreichtum der Spielpartner. Natürlich kann es trotzdem zu Konflikten kommen. Weil das „Rollenspiel“ aber einen so großen Stellenwert einnimmt, lernen Kinder schnell, Kompromisse einzugehen und die eigenen Bedürfnisse auch einmal zurückzustellen.

Kostüme, Möbel und Requisiten – die richtige Ausstattung für Rollenspiele

Um sich in Rollen vertiefen zu können, benötigen Kinder die passenden Requisiten. Je jünger ein Kind ist, desto weniger detailreich muss ein Spielzeug jedoch sein, um im Spiel seinen Zweck zu erfüllen. Kleinkindern macht es nichts aus, Gegenstände zweck zu entfremden und das ist auch gut so, denn je weniger ein Spielzeug vorgibt, desto kreativer lässt es sich einsetzen. Ein Spielhaus im Garten kann an einem Tag eine Räuberhöhle sein und am nächsten als Prinzessinnenschloss dienen.

Kaufläden und Puppenhäuser mit vielen kleinen Einzelteilen überfordern jüngere Kinder, ab vier Jahren sind sie jedoch gut geeignet, weil sie durch ihre Authentizität einen hohen Aufforderungscharakter haben. Die Kinder kennen das Einkaufen von Lebensmitteln im Supermarkt aus ihrem Alltag und lieben es, sich damit im Spiel auseinanderzusetzen.

Kostüme helfen ihnen zusätzlich dabei, ihre bevorzugte Rolle optisch sichtbar zu machen und sich mit ihr zu identifizieren. Deshalb verwandeln Mädchen sich gerne in Prinzessinnen und Jungen in Polizisten, Feuerwehrmänner oder Superhelden. Diese Rollenvorbilder dienen dazu, sich mit der eigenen Identität, den jeweiligen Rollenvorbildern und mit Wünschen oder Ängsten zu beschäftigen. Rollenspiele tragen daher auch zur Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern bei.

Erwachsene sollten sich deshalb bemühen, das Spiel ihrer Kinder zu unterstützen und sie darin bestärken, sich mit der eigenen und mit fremden Rollen immer wieder aktiv auseinanderzusetzen. Außerdem: Wer Kinder in ihrem Spiel intensiv beobachtet, lernt sie besser kennen. Weil sie das Handeln ihrer Bezugspersonen häufig imitieren, kann das Rollenspielverhalten von Kindern zugleich durchaus Anlass geben, sich als Erwachsener mit der eigenen Vorbildfunktion kritisch auseinanderzusetzen.

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