Kunststoff in Spielgeräten

Kunststoff: Schadstoffe im Spielzeug – das müssen Sie wissen! Kommentar schreiben

Seit Jahrzehnten sind wir im Alltag überall von Kunststoffen umgeben. Unsere Kinder beschäftigen sich ständig mit altersgerechtem Spielzeug. Sie nehmen es vor allem während der frühen Kindheit in den Mund und experimentieren dabei quasi mit Leib und Seele. Das erste Geschenk aus Plastik bekommen sie meist direkt zur Geburt.

Wer hätte aber gedacht, dass sich in zugelassenen Spielwaren gesundheitsschädigende Weichmacher und Schadstoffe verstecken? Eltern spitzen plötzlich die Ohren und reagieren erschrocken. Ein paar Tipps können helfen, bereits beim Kauf gefährliche Materialien zu identifizieren. Damit werden der Gesundheit des Nachwuchses, als auch der Umwelt gute Dienste geleistet.

Was steckt hinter dem Deckmantel „Kunststoffe“?

Kunststoff im Spielzeug – das müssen Sie wissen!

Für den Begriff „Kunststoffe“ werden Synonyme wie Plastik, Plaste oder Plast verwendet. Bereits unsere Vorfahren verwendeten eine Vorstufe der Kunststoffe. Das erste Plast hieß Birkenpech. Birkenrinde wurde gesammelt und trocken destilliert. Neandertaler, als auch die steinzeitlichen Homosapiens setzten dies als Klebstoff für Waffen und Werkzeuge ein. Heute bedient sich die Industrie an den facettenreichen Einsatzmöglichkeiten von Plast.

Ob Haushaltsgeräte, Kosmetikartikel, Klebstoff oder Verpackungen: dieses Wundermaterial wird vielen Ansprüchen gerecht. Für den Nachwuchs hält die funkelnde, glitzernde und farbige Spielwarenindustrie viele Überraschungen mit Spezialeffekten bereit. Auch die Automobil- und Elektroindustrie weiß die Vorzüge von Plastik zu schätzen.

Aus diesem Grund gewinnt dieser Stoff zunehmend an Bedeutung. Es wird vor allem eine kostengünstige Herstellung und Verarbeitung angestrebt. Damit kann nach und nach der industriellen Verwendung von Metall ein Ende gesetzt werden. In Folge dessen stellt sich jedoch die dringende Frage der fachgerechten Entsorgung von Plaste.

Rezeptur vom Kunststoff

Plastik besteht aus verschiedenen Elementen. Zum einen wird die Grundstruktur aus Polymeren geschaffen. Diese sind farblos und relativ unpraktisch in Bezug auf die weitere Verwendung. Deshalb werden während der aufwendigen Herstellung verschiedene Additive hinzugefügt. Zusätzliche Farbstoffe bilden dabei den Grundstock der bunten Welt des Kinderspielzeuges aus Plast.

Darüber hinaus werden zahlreiche Füllstoffe, wie Kreide, Sand, Stärke oder Graphit ergänzt. Diese ermöglichen ein günstigere Herstellung. Außerdem verbessern sich die mechanischen Eigenschaften der Kunststoffe. Auch wird das Brandverhalten des entstehenden Plast minimiert. Der spätere Einsatz wird diesbezüglich sicherer.

Allerdings sind bis heute in Plastikspielzeug oft auch Weichmacher, Nickel, Blei, Cadmium und andere chemische Substanzen enthalten. Diese begünstigen den Herstellungsprozess ebenso. Ein Achtungszeichen zeigt sich aber diesbezüglich bei der Nutzung. Hier werden nicht selten negative Einflüsse auf Umwelt und Gesundheit verzeichnet.

Wie wird Kunststoff gefertigt?

Die Kunststoffindustrie hat im Verlaufe der letzten Jahre innovative Herstellungsprozesse entwickelt. Plast wird synthetisch oder auch halbsynthetisch hergestellt. Ein Synonym von Plastik ist das Wort Polymere. Diese sind aus verschiedenen Monomeren aufgebaut. Die Herstellung umfasst drei nacheinander ablaufende Prozesse: Polymerisation, Polykondensation und Polyaddition.

Polymerisation:

Bei diesem Vorgang werden chemische Doppelbindungen gespalten. Es entstehen lange chemische Verbindungen in Form von Ketten. Daraus entsteht Thermoplaste. Diese werden beispielsweise bei isolierenden Plastikbechern verwendet.

Polykondensation:

Im nächsten Schritt geht es darum, die langen Ketten der Polymere aufzuspalten, damit aus verschiedenen Monomeren stabilere Verbindungen entstehen. Das Ergebnis dient zu Herstellung von Duroplast. Dies wird zum Beispiel für Steckdosenabdeckungen eingesetzt.

Polyaddition:

Ähnlich wie die Polykondensation verläuft nun die Polyaddition. Es werden Polymere aufgespalten, aber schlussendlich untereinander verbunden. Dadurch entstehen stabilere Netze. Diese dienen zur Herstellung von Schwämmen und ähnlichen Materialien.

Da das jeweilige Endprodukt „Kunststoff“ farblos ist, ermöglicht erst der Zusatz von Farbstoffen eine individuelle Färbung, welche die Grundlage für farbenfrohes Spielzeug ist.

Warum kann Kunststoff schaden?

Viele Kunststoffe können auf zwei verschiedene Arten negative Folgen bei der Nutzung verursachen. Zum einen können sich Farbstoffe oder Lacke vom Spielzeug unbeabsichtigt lösen, denn besonders kleine Kinder nehmen ihre Schätze immer wieder in den Mund. Diese Stoffe sind für den kindlichen Körper giftig und werden häufig unterschätzt. Auf diesem Weg, als auch über die Haut gelangen giftige Weichmacher oder krebserregende Substanzen (Cadmium, Blei, Schwermetalle) in den kindlichen Organismus.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt eine ganze Reihen an bedenklichen Substanzen. Es kontrolliert darüber hinaus, ob diese Substanzen wirklich nur in gesundheitlich unbedenklichen Mengen enthalten sind.

Diesbezüglich gibt es länderspezifische Bestimmungen, welche ebenso nicht zu unterschätzende Folgen für die Umwelt haben können. Die Zeitschrift der Spiegel konstatiert, dass 2014 Unmengen an Risikostoffen in Spielwaren gefunden wurden. Im Gegensatz zum Vorjahr ist ein Anstieg zu verzeichnen. So kommen die meisten kritischen Spielzeuge aus China. Die meisten in Europa produzierte. Spielwaren, welche als Risiko behaftet eingestuft wurden, kommen aus Deutschland.

Folgende Kunsttoffe sind in Spielwaren enthalten:

Bisphenol A (BPA)

Diese Substanz wird auch als Massenchemikalie bezeichnet. Früher war sie auch reichlich bei der Herstellung von Babyflaschen und Babysaugern vertreten. Heute ist Bisphenol A verboten, taucht jedoch ziemlich unscheinbar immer mal wieder auf. Es handelt sich um einen Giftstoff, der wir ein Hormon auf den menschlichen Körper wirkt. Im Alltag versteckt er sich in Kassenbons, in Parkscheinen, in mikrowellenfestem Plastikgeschirr, in Babyschnullern oder auch in Zahnfüllungen aus Kunststoff.

Polyethylen (PE)

Kunststoff begleitet uns jeden Tag. Genau dies wird bei Polyethylen sichtbar. Überall taucht er wieder auf: CD-Hüllen, Verpackungen, Frischhaltefolien und natürlich werden auch Spielwaren nicht ausgelassen. Nach aktuellen wissenschaftlichen Angaben ist Polyethylen nicht gesundheitsschädigend. Es präsentiert sich als PE-LD (etwas dünner) oder PE-HD (etwas dicker).

Polypropylen (PP)

Viele Spielwaren werden aus diesen Polymer gefertigt. Dabei wird es von wissenschaftlicher Seite als ungefährlich eingeschätzt. Auf Grund der einfachen und überaus praktischen Struktur werden zur Weiterverarbeitung keine Weichmacher eingesetzt. Damit gehört dieser Kunststoff ebenso wie Polyethylen zu den unbedenklichen Stoffen.

Polyvinylchlorid (PVC)

Dieser Kunststoff ist auch bekannt unter den Namen Chlorplastik oder Vinyl. Nicht nur bei der Vebrennung kann er giftig sein, denn er wird auch während des täglichen Gebrauchs freigesetzt. Bereits in geringen Mengen kann er krebserregend wirken. Sie können ebenso die Niere schädigen und sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Aus diesem Grund muss in Kinderspielzeug für Kinder bis zu drei Jahren auf PVC ohne Ausnahme verzichtet werden. Geringe Mengen wirken sich nicht nur schädlich auf die Gesundheit von Mensch und Tier aus, sondern beeinflusst auch die Umwelt negativ. Generell gilt als industrielle Richtlinie: Da wo auf PVC verzichtet werden kann, kommt ein anderer Kunststoff zum Einsatz.

Polystyrol (PS)

Im Gegensatz zu PVC besteht dieser Kunststoff aus weniger Zusatzstoffen. Zur Produktion von Trinkflaschen und Spielwaren leistet er einen beachtlichen Beitrag. Allerdings wirkt sich Polystyrol ebenso negativ auf den menschlichen Körper aus, denn bei der Herstellung wird Benzol verwendet. Diese Substanz ist krebserregend. Weitere gefährliche Stoffe werden bei Verwendung von Produkten aus PS freigesetzt. Diese wirken sich wissenschaftlichen Studien zur Folge fortpflanzungsschädigend aus.

Polyurethan (PU/PUR)

Auch diese Plast ist ein klassischer Chlor-Kunststoff. Immerhin werden weltweit circa 10% der Chlorproduktion für die Herstellung von Polyurethan verwendet. In weichen Produkten mit Isolierungsfunktion, als auch als untere Teppichbodenbeschichtung kommt er häufig zum Einsatz. Nach zahlreichen nachteiligen Berichten über PU werden immer mehr Verfahren entwickelt, um während der Produktion auf Chlor zu verzichten. Allerdings lösen eingesetzte Ersatzstoffe wie Isocyanate ebenso langanhaltende oder gar tödliche Schädigungen von Mensch und Natur aus.

Polyethylenterephthalat (PET)

Dieser Kunststoff ist einer der wenigen, welche über eine hohe Recyclingrate verfügt. Bei der Herstellung kommen eine Reihe an schädigenden Substanzen zum Einsatz, welche Augen stark reizen oder gar krebserregend sind. Dennoch werden diese nach Angaben offizieller Institute bei der Verwendung nicht, beziehungsweise nur in verschwindend geringen Mengen freigegeben.

Polycarbonat (PC)

Ausgangsstoff zur Herstellung von Polycarbonat ist Bisphenol A. Deshalb wurden Spielwaren als gefährlich eingestuft, obwohl sie anscheinend nur aus Polycarbonat gefertigt wurden. Dennoch wurden Reste von Bisphenol A gefunden. Früher wurde PC aus dem hochgiftigen Phosgen hergestellt. Dieser Stoff gewann im ersten Weltkrieg als Kampfgas eine traurige Medaille. Damit scheint eine simple Kennzeichnung von Spielwaren mit PC als nicht aussagekräftig bezüglich der Gefahrenstufe. Zudem ist Polycarbonat hochgradig gefährlich bezüglich der Brennbarkeit.

Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS)

Die Herstellung von ABS erfolgt über verschiedene Einzelschritt unter Einsatz vieler Substanzen. Sehr bedenklich ist Styrol. Dieser schädigt die Fortpflanzungsfähigkeit. Ebenso ist Acrylnitril bei der Herstellung beteiligt. Dieser Stoff schädigt in gasförmiger, als auch in flüssiger Form Atmungsorgane. Übelkeit und Kopfschmerzen sind ebenso negative Folgen. Es wird darüber hinaus vermutet, dass ABS krebserregend ist.

Checkliste Spielzeug

Auf Grund der Tatsache, dass die Kennzeichnung der Spielwaren allein nicht zureicht, müssen andere Hilfsmittel bei der richtigen Auswahl verwendet werden. Es empfiehlt sich ein individueller Test mit allen Sinnen. Nicht nur laute Spielwaren können das Babyohr schaden. Spielwaren müssen auch der Nase „gefallen“.

Geruchstest

Sind Spielwaren beim Einkauf extra verpackt, kann Verkaufspersonal die Verpackung entfernen. Der Kunde hat ein Recht den Artikel vor dem Kauf allumfassend zu prüfen. Riecht das Spielzeug bereits beim Öffnen nach Chemie oder gar unangenehm, ist es sicher nicht das richtige. Es gibt Spielwaren, die mit Duftstoffen versehen werden.

Auch diese sollten nicht in Kinderhände gelangen. Solch artige Stoffe können Allergien auslösen. Zu beachten ist, dass in Deutschland kein Recht auf Umtausch wegen unangenehmen Geruch besteht. In Ausnahmefällen wird dieser jedoch auf Grund von Kulanz gewährt.

GS-Prüfzeichen

Deutschlandweit gilt das GS-Prüfzeichen als Qualitätsmerkmal. Jedes Spielzeug wird dieser Prüfung unterzogen. Besteht es den Test auf Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, so wird das GS-Zeichen von unabhängigen TÜV Prüfstellen vergeben. Es lohnt sich jedoch auch hier wieder der Blick ins Detail. Ein offizielles und rechtmäßig erteiltes GS-Prüfzeichen gibt ebenso Auskunft über die Prüfinstitution. Wenn dieser Zusatz fehlt, kann es sich um eine Fälschung handeln.

Es lohnt sich außerdem zu wissen, dass GS ähnliche Probleme wie andere Prüfsiegel hat. Schließlich gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für gefährliche Inhaltsstoffe. Es gibt demnach keine absolute Sicherheit.

Weitere gängige Prüfsiegel sind:

  • LGA (Toxproof)
  • Öko-Test
  • ÖkoTex Standard 100 (spezielles Textilsiegel, gibt Aussagen zur Öko-Qualität)
  • VDE (elektrisches Prüfsiegel)
  • Spiel gut (Bewertung der pädgogischen Eignung)
  • TÜV-Zeichen (unabhängige TÜV-Prüfstelle)

All diese zeigen an, dass die Spielwaren und Artikel auf Schadstoffe geprüft und freigegeben wurden sind. Dabei sollte der Käufer unbedingt darauf achten, dass es sich um offizielle Prüfsiegel handelt. Vom Hersteller selbst erfundene Prüfsiegel sagen quasi nichts zuverlässiges über das Spielzeug aus. Es ist in diesem Fall unbedingt empfehlenswert, vom Kauf abzusehen.

Das CE-Prüfsiegel ist gemäß einer gesetzlichen, europäischen Richtlinie an alle in der EU verkauften Spielwaren anzubringen. Die Auszeichnung übernimmt der Hersteller selbst. Es ist keine unabhängige Prüfinstitution involviert. Damit sagt CE nicht über die Qualität des Produktes aus.

An dieser Stelle sie noch mal die abschreckende Nachricht des Spiegel Artikels genannt, denn Spielwaren bekommen den ersten Platz, wenn es um gefährliche Inhaltsstoffe geht. Selbst Textilien schaffen es nur auf Platz zwei. Aber nicht nur das. Auch körperliche Verletzungen können die böse Folge trotz richtiger Nutzung von Spielwaren sein. Die meisten schwarzen Schafe stammen tatsächlich aus China. Jedoch verdient auch die deutsche Spielzeugindustrie die Schwarze Peter Karte.

Rapex: Europaweites Warnsystem für riskante Produkte

Zum Schutz des europäischen Marktes wurde eine Datenbank eingerichtet. Über RAPEX (Rapid Exchange of Information System) werden identifizierte non-food Artikel schnell gemeldet. Damit soll vermöglicht werden, dass diese europaweit schnellstmöglich vom Markt genommen werden. Rückrufkampagnen und Verkaufsverbote werden gestartet. Die Entscheidung obliegt jedoch immer den einzelnen Länden.

Wird zum Beispiel ein Gefahrenstoff in einem Spielzeug gefunden, erfolgt eine zeitnahe Meldung an die Datenbank RAPEX. Konsumenten können in den wöchentlichen Bericht einsehen. Diese ist jedoch ausschließlich auf Englisch. Ausschließlich deutsche Meldungen werden auf Deutsch übersetzt. Wenn die Urlaubszeit kommt, lohnt es sich jedoch sicher zu wissen, welche Spielwaren im europäischen Urlaubsdomizil auf der Warnliste stehen.

Eine natürliche Alternative aus Holz

Es darf der berechtigte Anschein entstehen, dass dem Kauf von kindgerechten Spielzeug aus Kunststoff doch einer intensiven Auseinandersetzung mit all seinen Substanzen vorausgehen muss. Damit sind auch die Herstellungsverfahren der einzelnen Materialien gemeint. Im Dschungel der immer größer werdenden Kunststoffindustrie scheinen Holzspielwaren eine sinnvolle Alternative, damit Eltern auf Nummer sicher gehen können.

Diese Materialien sollte darauf geachtet werden, dass es Spielwaren aus Vollholz sind, welches möglichst aus einheimischen Wäldern stammt. Ebenso sollte es unlackiert und unverklebt sein, denn in diesen Zusatzstoffen kann Formaldehyd versteckt sein. Tropische Hölzer können zudem Allergien auslösen.
Fachhändler geben Auskunft zur sachgemäßen und regelmäßigen Reinigung der Holzspielwaren. Meist genügt klares Wasser zur Reinigung von Naturmaterialien. Anschließend werden sie komplett luftgetrocknet.

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